Silvester im Basislager Plaza Argentina

4 Jan 2016
von Isabelle

Ein erster, kleiner Teil der Gruppe trifft sich unterwegs in Paris und Santiago. Nach Ankunft in Mendoza stellen wir erleichtert fest, dass das Gepäck vollständig ist - ein guter Anfang. Kari holt uns ab und bringt uns ins Hotel, wo wir auf unseren Leitwolf Andrea, auf Pia, Reinhold, Andrea und Mario treffen, später gemeinsames Abendessen, Titus stösst zu uns und wir lernen Matias kennen, der uns in den nächsten drei Wochen begleiten wird. Es beginnt sich ein zweischichtiges Puzzle zu bilden, zum einen aus Planstücken, Hoffnungen, Erfahrungen und Träumen der Reisenden und zum anderen aus den bunt gemischten Charakteren derselben, welches auch zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Berichts weiterhin wächst und sich immer wieder verändert. Bevor wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach Uspallata machen, stoppen wir bei einer alten Schreinerei und lassen uns vom feinen Essen, vom ansprechenden Interieur und von 5 ziemlich neugeborenen Kätzchen verzaubern.
Von Uspallata aus, wo Largo, der dritte im Guide-Bund, zu uns stösst, verzögert sich der Start ein klein wenig wegen der geschlossenen Strasse - unser Versuch, an der langen Warteschlange vorbeizufahren scheitert und wir werden ganz ans Ende der Schlange strafversetzt :-) Es geht dann doch schneller als erwartet und wir können um ca. 10 Uhr vom Ausgangspunkt am Parkeingang losgehen. Die Hitze ist beträchtlich, die Flussüberquerung im eigentlichen Sinn des Wortes cool und die Sonne brennt unbarmherzig, einzelne werden sich noch lange dank Sonnenbrand an den Weg zum ersten Lager, Pampa da Lenas, erinnern. Dort stellen wir zum ersten Mal unsere Zelte auf und geniessen den wunderschönen Abend, treffen auf weitere Gruppen und staunen über die Mulas, welche unser schweres Gepäck für uns transportieren. Erste Herausforderungen mit dem Material werden unkompliziert über Gruppen- und Ländergrenzen hinweg gelöst. Wir werden verwöhnt mit viel Fleisch vom Grill und sitzen auf Stühlen an Tischen. Unerwartet, aber natürlich sehr willkommen. Der nächste Tag ist ebenso schön und heiss, wir gehen weiter zur Casa del Piedra, auch da begleitet bzw. in einem eindrücklichen Tempo am Ziel eingeholt von den Maultieren, Schlammlawine hin oder her; kurz vor dem zweiten Lager erhaschen wir einen ersten, atemberaubenden Blick auf unser majestätisches Ziel. Teile des Gepäcks genossen eine Fangpackung dank der bereits erwähnten Schlammlawine, es ist aber alles unversehrt da.
Der 31. beginnt mit einer Flussüberquerung auf den Maultieren, danach geht es durch ein wunderschönes Tal 1000m nach oben zum Basecamp. Die Plaza Argentina beeindruckt durch Größe und Komfort, wir haben noch kaum das halbrunde, beheizte Zelt betreten, schon stehen diverse Pizzen auf dem Tisch, später stossen wir auf den Silvester zu Hause an. Eine angenehme Müdigkeit macht sich breit und wir sind happy, in unserer Home Base angekommen zu sein für die nächsten Tage. Den lokalen Silvester erlebt nur der Autor, während der Rest der Gruppe sowie die Kollegen unter Pedros Führung die wohlverdiente Ruhe im Zelt geniessen - die Crew im Camp feiert ausgelassen mit Tanz und Feuer bei einer wunderbar glasklaren Sternennacht. Am Neujahrstag dann Ruhetag und erste Jass-Runden - das sollte sich in den kommenden Tagen dann fix im Tagesablauf eingliedern, auch immer wieder im Austausch mit den Kollegen aus der "suuuuuper" Gruppe.
Am 2. Januar steigen wir zum ersten Mal für Materialtransport ins Lager 1 auf und bewundern die Penitentes. Der Weg nach oben ist schön und wir haben Glück mit dem Wetter. Oben angekommen geniessen wir einen Lunch und machen uns dann bald wider auf den Weg zurück "nach Hause". Der nächste Tag bringt einen Heli-Besuch und später raueres Wetter mit ordentlich Wind (das aus den naiven Augen eines nicht wirklich sturmerprobten Berggängers, aber es ist eindrücklich bzw. die Dankbarkeit für das komfortable Equipment im Lager erreicht ganz neue Dimensionen) und wir verbringen ihn vorwiegend im Gemeinschaftszelt - beim Jassen, Tee trinken, mit kurzen Ausflügen in die umliegende Gegend. Und Highlight des Tages: wir bestehen alle den Arztcheck, das heisst, wir dürfen weiter! Die Mischung zwischen Freude und Nervosität ist ein interessantes Gefühl; der Wetterbericht für die nächsten Tage ist nicht optimal, es ist viel Wind und etwas Niederschlag zu erwarten und so beschliesst die Rennleitung, dass wir einen weiteren Tag im Camp bleiben und erst dann die folgenden drei Lager in Angriff nehmen, um die Chancen auf einen Gipfelerfolg zu erhöhen. Es bleibt spannend und wir verbleiben in froher Erwartung auf alles, was uns noch erwartet.

Liebe Grüsse
Isa