Aconcagua 360° – die letzten Etappen

25 Jan 2016
Bericht über die letzten Etappen der Aconcagua 360°-Expedition
von Reinhold

Während es ganz oben weiter heftig stürmte – an eine Gipfelannäherung war nicht zu denken - bestiegen wir ab Basislager den wunderschön farbigen Cerro Colorado, gerade etwa gleich hoch wie die Dufourspitze. Dunkelroter Fels, dunkelgrün und ganz weisse Felsschichten entlockten uns manche Oh's und Ahh's!
Dann machten wir uns auf zum Camp 1 auf 5000 m. Die Träger nahmen uns viel ab, und hatten sogar schon die Zelte aufgestellt bis wir eintrafen. Während der Nacht begann es zu schneien und zu stürmen. Pausenlos riss der Wind an den Zelten, so sehr, dass bei zwei Zelten Stangen brachen. Stürmische Winde in der Höhe, gut sichtbar an der Windfahne, an der Linsenwolke über dem Gipfel, und gut spürbar und hörbar an den unablässig flatternden Zeltwänden bedeutete uns, den Weitermarsch nach oben zu verschieben, und wieder in Basislager abzusteigen. Beim Gehen mit dem Wind im Rücken war es dann weniger schlimm, als es sich in der Nacht angehört hatte.
Weitere Tage im Basislager folgten mit Werweissen, was der Wind zulassen könnte, wie er sich in den folgenden Tagen entwickeln könnte.
Einige Gruppen stiegen ganz ins Tal ab, unsere Bergführer wagten trotz ungünstiger Windprognose, jedoch ansonsten gutem Wetterbericht einen Aufstieg, wiederum zu Camp 1 zuerst. Diesen Weg durch die ausgedehnten Gebiete mit Büssereis kannten wir nun schon recht gut und wir hofften, ihn nicht wieder retour begehen zu müssen. Anderntags ging es weiter hoch, zum Lager 2 auf 5520 m. Aus diesem Lager ist es schwierig, aber möglich, den Gipfel in einem Tag zu erreichen. Am Abend vor dem möglichen Gipfeltag sagten die Prognosen der verschiedenen Wetterdienste erneut zu starke Winde voraus, weshalb unser Bergführerteam entschied, erst spät zu starten. Das Essen wurde in den kleinen Zelten eingenommen, weil es draussen so stürmisch war und Schnee aufwirbelte.
Der späte Aufbruch bedeutete natürlich: Wir können nur den Pass 6000 m beim Camp Colera überschreiten, um hinab in das Basislager Camp Mulas im anderen Tal gelangen zu können. Dieser Übergang brachte uns immerhin die Freude, die 6000 m erreicht zu haben. Es soll Leute gegeben habe, welch an jenem Morgen versucht hatten, vom Lager Colera den Gipfel zu erreichen - auch sie erfolglos.
Das Basislager Mulas liegt auch auf 4200 m, ist komfortabel eingerichtet mit Esszelt, sehr guter Küche, und WLAN!
Am folgenden Tag wanderten wir dann die 32 km durch das eindrückliche Tal Horicones raus, dabei wanderten wir durch 3 breite total flache Flusstäler, wie ich schätze etwa 15 km lang. Wir brauchten gut 6 Std. Die Berge links und rechts des Tales brauchten uns mit ihrem Farbenspiel der Schichtungen zum Erstaunen.
Beim Parkeingang erwartete uns der Bus und fuhr uns zur Sehenswürdigkeit Puente del Inca (Die Brücke des Inkas. Dies ist ein 28 Meter breiter natürlicher Felsbogen, der sich 47 Meter hoch und über den Río Mendoza spannt. An der Puente entspringt eine heiße schwefelhaltige Quelle, die das Gestein rotgelb färbt. Dieser Umstand führte zur Errichtung eines Thermalbades, welches aber 1953 durch einen Erdrutsch zerstört wurde. Über den Weg durch die Überreste könnte man heute noch bis unter die Brücke gelangen, allerdings ist seit 2005 dieser Zugang wegen Einsturzgefahr bis auf weiteres geschlossen.

Anschliessend brachte uns der Bus ins Hotel in Uspallata, wo wir nochmals die feinen und reichlichen Fleischspezialitäten genossen.
Am vorletzten Tag waren wir in Mendoza. Hochsommerliche Wärme geniessen, essen, relaxen und Souvenirs kaufen war angesagt. Abends wurden wir von Kari Kobler zu einem feinen Grillabend eingeladen und nahmen Abschied. Es wurde wohl von allen TeilnehmerInnen ein versöhnliches Resümee zur Expedition gezogen. Die Kräfte der Natur wollen respektiert sein. Allzu schnell kann es in den Höhen von 7000 m dramatisch gefährlich werden. Tröstlich auch, dass in den vergangen zwei Wochen niemand den Gipfel erreicht hat.
Ein herzliches Dankeschön an Andrea, die Bergführerin aus der Schweiz, an die beiden lokalen Führer Largo und Matias, für die sehr kompetente und umsichtige Leitung. Wir fühlten uns als Gruppe bestens betreut und begleitet.

Gais, 18.1.2016, Reinhold