1. Everest Bericht: Schmetterlinge im Bauch

9 Apr 2015
von Kari

Schmetterlinge im Bauch bringt der Frühling, doch für die Höhenbergsteiger sind es die hohen Berge im Himalaya. In Kathmandu herrscht eine eigenartige Stimmung, vor allem bei den Bergsteigern die regelmässig in Nepal unterwegs sind und das sind nicht wenige, sie kennen sich untereinander, es wird getratscht und erzählt.
Es ist wie bei den Fischern, man hat einen 15 cm langen Fisch an der Angel, doch bei den Erzählungen ist er auf einmal doppelt so lang.

Kathmandu ist immer noch eine verrückte Stadt, ausser wenn die Maoisten mal wieder einen Streik ausrufen, dann wird die Stadt gleich beschaulich wie früher!
Heute Dienstag ist für 3 Tage tote Hose, es fahren keine Taxis um vom Flughafen ins Hotel zu kommen. Dies ist mit einem kleinen Hosenlupf verbunden. Zum guten Glück wurde dann aber der Streik bereits nach dem ersten Tag abgebrochen.

Seit 15 Jahren, alle Jahre wieder, beginnt mein Bauch wie von selbst zu wachsen, ich lege gerne um 5 Kilo zu, eine eigenartige Nervosität macht sich breit. Ist alle Material hier, kommen die Sherpas über die Grenze, ohne dass uns die Zöllner den Käse oder das super gute Trockenfleisch abnehmen, kommen alle Teilnehmenden zur Zeit an und sind sie gesund und vieles mehr. Es wird mir nie langweilig und ich möchte diese Zeit vor einer grossen Expedition nicht missen, denn es hält mich jung und voller Tatendrang.

Bereits in Kathmandu sind Urs Bernhard und Gerd Schütz. Heute kommen die Engländer Mark Cadman und Paul Fox an und am Abend der „Aussie“ Angus Caithness. Die zwei Engländer sind mir vom letzten Jahr bekannt. Sie hatten eine andere Agentur gebucht, die ein schlechtes unsauberes Küchenteam aufzuweisen hatte. Was übrigens zu 80% der Fall ist und immer wieder unterschätzt wird. Sie wurden dann vom Durchfall geplagt, so das sie immer wieder erkrankten und zum Schluss keine Chance für eine Gipfelbesteigung hatten. Nun noch ein wenig Eigenlob, als wir die Engländer zum Nachtessen einluden, lernten sie den Support von K&P schätzen. Ihre Aussage danach war somit klar, wenn wir noch einmal zum Everest fahren dann nur mit K&P. Gestrandete Bergsteiger, die kein Glück mit der vorangegangenen Agentur hatten, kommen nach dem sie uns kennen gelernt haben, mit K&P. Da gibt es genügend Beispiele, wie: die erste ecuadorianische Frau, die den Everest bestiegen hat, unser Bart aus Polen, Urs der bereits bis auf einer Höhe von 8700m kam und dann um 05.00 Uhr auf Hinweis seines Sherpas umkehren musste. Dann um 08.00 Uhr im Northcol war, wo ich ihn traf und dabei verwundert fragte, was machst du hier.

Am 8. April gelangten die letzten Teilnehmer die über Lhasa anreisen nach Kathmandu. Dies sind Richi Bolt, Bergführer, Holger Birnbräuer, Alois Fuchs, Reinhard Grubhofer, Silvan Schenk, Verena Rohrer, Markus Fahrni und Clemens Strauss.
In wenigen Tagen kommt der Bergführer Andreas Bucher über Chengdu und Lhasa ins Basislager. Die letzten drei Everest Aspiranten mit Klaus Tscherrig, Bergführer, Mark Ineichen und Karsten Lafranz akklimatisieren sich im Khumbugebiet und gelangen danach ins Basislager.

„Tratsch am höchsten Berg dem Mt. Everest“
Ausser man baut eine Bahn auf den Mt. Everest?
Der höchste Berg der Erde wird für Bergsteiger, „ob Softie oder Hardcore“, immer eine Herausforderung bleiben. Die Geschichten um diesen Berg ranken wie die Bäume in die Höhe, dies haben die letzten zwei Jahre gezeigt. Da ging es in Nepal hoch zu und her. Es wurden aber auch Tragödien geschrieben die zu diesem Berg gehören, wie die Menschen die ihn gerne bezwingen möchten, obwohl wir dies nie schaffen werden.
Im Tibet war es vergleichsweise angenehm ruhig, waren doch 108 Bergsteiger im Jahr 2013 unterwegs und dann 67 Bergsteiger im Jahr 2014. Im Jahr 2015 nach der grossen Tragödie auf der nepalesischen Seite werden wir wieder an die Zahl von Bergsteiger kommen die bis 2007 auf der Nordseite des Mt. Everest unterwegs waren. Es werden voraussichtlich 200 Bergsteiger auf der tibetischen Seite und ca. 150 Sherpas unterwegs sein. Auf der Südseite ca. 350 Bergsteiger und gleichviel Sherpas. Es hat somit eine kleine Verschiebung auf die, von mir ausgesehen, sicherere Nordseite ergeben.

K&P-Sherpas und das Küchenteam sind bereits in Zangmu und gelangen morgen ins Basislager. Somit sind die K&P-Sherpas wieder einmal die ersten, die zum Basislager anreisen. Es ist immer schön, wenn die Expedition beruhigt losgeht und alles rund läuft. Vor allem haben wir den Käse und die 50 kg Trockenfleisch über die Grenze gebracht und nicht wie schon häufig vorgekommen, dass das beste für Leib und Seele beim Zoll zum Eigenverzehr zurückgelassen werden musste.

Kari Kobler wollte anfänglich während des „Losar Festival“, dem tibetischen Neujahrsfest im Februar, nach Lhasa reisen, dies war leider nicht möglich. Nun reise ich unvorhergesehen mit der Gruppe über Lhasa an und nicht wie vorgesehen mit den Sherpas über Zangmu. Dies um weitere neue Ziele mit den Verantwortlichen im Tibet zu besprechen. Sobald diese spruchreif sind, werde ich alle unsere Leser gerne informieren.

Kurznachrichten:

  • Der blinde Bergsteiger aus Österreich versucht die Besteigung des Mt. Everest dieses Mal von der Nordseite aus zu machen.
  • Kommerzielle Filmaufnahmen auf der Nordseite sind verboten. Ich hoffe, es halten sich alle daran, da dies sonst das Verhältnis der Regierung zu uns Bergsteigern nicht gerade unterstützen würde.
  • Die Bergsteiger auf der Südseite des Mt. Everest werden in den kommenden Tagen ins Basislager gelangen.
  • Die tibetische Agentur unter der Leitung von Sumjock hat bereits mit dem Einrichten der Fixseile begonnen und die sollten in Kürze bis in Lager I (Northcol) abgeschlossen sein.
  • Die erste Gruppe Sherpas (K&P) erreichen heute das Basislager auf 5200m.
  • Auf der Südseite des Mt. Everest scheint es, dass ein neuer Aufstieg bis in Lager I gesucht wird.
  • Die nepalesische Regierung hat es zu meiner grossen Überraschung doch noch fertig gebracht, den Teilnehmenden der letztjährigen Everest Expeditionen von der Südseite, ein freies Permit für die Besteigung in den nächsten 5 Jahren zu geben. Da die Sherpas wegen der schlechten Versicherung der nepalesischen Regierung in den Streik getreten sind.
  • In Kathmandu herrscht zur Zeit ein 3 Tage dauernder Streik. Der Grund ist, dass die Verfassung nach 6 Jahren Arbeit immer noch nicht fertig gestellt ist. Die maoistische Partei, sowie die kleinen Untergruppen bekämpfen die neue Verfassung.

Nach dem ersten Bericht von Kari aus Kathmandu, hoffe ich, dass die Teilnehmenden Lust verspüren etwas über die Reise zu schreiben und ich mich auf Filmen verlegen kann.

Euer Kari