Please upgrade your browser to a modern, CSS/XHTML compliant version. We apologize for any inconvenience.
zurück

Besteigungsabbruch und Expeditionsende am Dhaulagiri

Am 20. Mai 2010 brachen 10 Expeditionsteilnehmer und 5 Sherpas voller Motivation und Energie früh morgens zum Camp 1 auf. Meteotest Bern, unser zuverlässiger Partner für Wetterprognosen an den höchsten Bergen der Welt sagte uns gutes, das heisst wind- und niederschlagsarmes Wetter für die nächsten Tage voraus.
Angekommen im Camp 1 auf 5750 m richteten wir uns in unseren Zelten ein und begannen mit dem obligaten Wasserkochen. Viel Trinken (4 - 5 Liter pro Tag) ist wichtig für den Körper, damit er sich an die grosse Höhe besser anpassen kann. Gegen Mittag zogen dann Wolken auf und der Wind brachte Bewegung in das Wettergeschehen. Beunruhigt waren wir deswegen nicht, denn an diese Wetterspiele hatten wir uns während den letzten Wochen gewöhnt.
Die Nervosität über die kommenden Tage liess die meisten von uns nicht wie gewohnt gut schlafen und alle waren froh als am nächsten Morgen um 6 Uhr die Sonne ans Zelt schien und der Weiteraufstieg ins Camp 2 begonnen werden konnte. Unsere Sherpas waren bereits unterwegs, sodass wir der Spur durch den wenigen Neuschnee problemlos folgen konnten.
Jedoch kam unser Anstieg schon bald ins stocken, da sich oberhalb von 6000 Meter ein regelrechter Sturm aufgebaut hat. Nur mit Mühe konnten wir unsere Sherpas sehen, welche mit äusserster Anstrengung Camp 2 auf 6650 m erreichten und sich im hüfttiefen Triebschnee auf die Suche nach unseren Zelten machten. Erst einmal hiess es Abwarten und Hoffen auf ein Nachlassen des Sturmes, welcher für uns doch aufgrund der Wettervorhersagen überraschend auftrat.
Durch den Funkkontakt mit unseren Sherpas mussten wir erfahren, dass die Suche nach unseren Zelten mitsamt unserer Ausrüstung wie Kocher, Schlafsäcke, Daunenanzüge etc. chancenlos war. Zudem wurde die Situation für die Sherpas immer prekärer, da der Sturm nicht nachliess und sich die Triebschneeansammlungen im steilen Hang des Camp 2 massiv erhöhten.

Nun musste ein schwerer Entscheid gefällt werden!

Aufgrund von 5 klaren Faktoren mussten wir schweren Herzens den Weiteraufstieg zum Camp 2 auf einer Höhe von 6200m abbrechen und dem Gipfel des Dhaulagiri den Rücken kehren:

- Unser gesamtes Material wie Zelte, Kocher, Matten, Schlafsäcke war im Camp 2 metertief eingeschneit und nicht auffindbar.
- Die Fixseile zwischen Camp 2 und Camp 3 waren unter viel Schnee begraben und nicht mehr sichtbar.
- Die Lawinengefahr nahm von Stunde zu Stunde zu (beim Abstieg lösten unsere Sherpas zwei Schneebretter aus).
- Das Camp 2 ist bekannt für seine exponierte Lage und hat schon einigen Bergsteigern den Lawinentod gebracht.
- Trotz der Expeditionsverlängerung um eine Woche hatten wir nun keine Zeit mehr für weitere Versuche.


Dhaulagiri Expedition 2010
Vergebliches Warten auf 6200 m auf ein Sturmende.


Dhaulagiri Expedition 2010
Schwierige Entscheidung am Berg durch den Expeditionsleiter Richard Bolt


Unserem Grundsatz, das Risiko so klein wie möglich zu halten, blieben wir treu. Alle waren sich einig, dass ein Weiteraufstieg gegen jede Vernunft gesprochen und ein absolut unnötiges Risiko bedeutet hätte.

Während 5 Teilnehmer noch am selben Nachmittag bei schwierigen Verhältnissen bis ins Base Camp abstiegen, verbrachten die restlichen Teilnehmer und die 5 Sherpas nochmals eine Nacht in Camp 1. Noch lange konnten wir den wütenden Höhensturm beobachten und waren froh, nicht im gefährlichen Camp 2 zu liegen.

Nun sind wir alle zurück im Base Camp und mit der Gesundheit aller Teilnehmer und Sherpas haben wir das höchste Ziel der Expedition erreicht.


Dhaulagiri Expedition 2010
Abstieg von Camp 1 mit 25 kg auf dem Rücken


Der Dhaulagiri ist ein ernsthafter, schwieriger Berg und hat uns seine Stirne gezeigt. Seine Wetterkapriolen sind bekannt und die objektiven Gefahren nicht zu unterschätzen. Bereits der Aufstieg zum Camp 1 unter dem sog. "Eiger" hindurch und weiter oben durch die sich immer bewegenden Gletscherabbrüche stellt einen objektiv gefährlichen Zustieg dar. Der Nordostsporn, welcher die Route weiter oben definiert, ist steil und speziell dem Wind stark exponiert. Der Gipfelanstieg mit der Traversierung der langen und steilen Gipfelflanke bietet bis zum Gipfel anspruchsvolle Bergsteigerei in Fels, Eis und Firn.
Nicht umsonst trotzte der Dhaulagiri vor über fünfzig Jahren vielen Expeditionen und Besteigungsversuchen. Erst der Schweizer Expedition unter der Leitung von Max Eiselin gelang es vor genau 50 Jahren den Dhaulagiri als den zweitletzten aller Achttausender zu besteigen.
Wir wollten es Peter Diener, Ernst Forrer, Albin Schelbert und Kurt Diemberger gleich tun und 50 Jahre nach ihnen diesen wunderschönen Berg besteigen. Leider ohne Erfolg.


Aus dem Dhaulagiri Base Camp, 4650 m, grüsst

Richard Bolt, Expeditionsleiter und Bergführer UIAGM


Dhaulagiri Expedition 2010
Gruppenbild von links nach rechts stehend: Dendi Sherpa (Sirdar), Peter Gschwendtner, Lila Sherpa, Kilian Volken, Willi Imstepf, Michele Merat, Beni Höin,
Michael Tost, Stefan Mayr, Mingma Sherpa, Pasang Sherpa (Kitchenboy)
Kniend: Phujung Sherpa (Kitchenboy), Klaus Alpiger, Pasang Sherpa (Kitchenboy), Richard Bolt (Expeditionsleiter), Esther Wenger, Phurba Kusang Sherpa,
Purna Sherpa (Koch)