Wetterkapriolen und Drama am DhaulagiriUm es vorneweg zu nehmen: unserer 12-köpfigen Expeditionsmannschaft, den Sherpas und unserer Küchenmannschaft geht es gut und wir sind alle wohlauf im Base Camp auf 4650 m.
Eine erfolgreiche Besteigung des Dhaulagiri durch unsere Expedition war leider bis jetzt nicht möglich. War hatten gehofft, dass wir ein kurzes Windfenster am Ende dieser Woche nutzen können, doch das Risiko war uns zu gross und wir haben die Besteigung abgeblasen. Da wir weiterhin an unsere Chance zur Besteigung des Gipfels glauben, hat sich der grosse Teil der Gruppe entschieden, die Reise um eine Woche zu verlängern. Somit werden ausser Gernot Wagner und Erich Weitlaner, welche die Expedition mit der Ankunft in Zürich am 23. Mai 2010 beenden, die restlichen 10 Teilnehmer am Sonntag, 30. Mai 2010 in Zürich eintreffen. (Über die genauen Ankunftszeiten werden wir noch informieren - Das Büro von Kobler & Partner.)
Das Wetter dominiert seit unserer Ankunft am 21. April hier im Base Camp unseren täglichen Ablauf. Es sind meistens der zu starke Wind, beeinflusst durch den nahe am Dhaulagiri liegenden Jet Stream, oder der immer wieder einsetzende Schneefall, welche einen Aufstieg über 6000 Meter verhindern. Dass ein solches Wetter durchaus sehr ernsthaft werden kann und Menschenleben gefährden oder sogar auslöschen kann, konnten wir während den letzten Tagen hautnah erleben.

Base Camp im Sturm, sogar der Mast unserer Gebetsfahnen ist gebrochen
Die einzige noch verbliebene Expedition neben uns war eine Gruppe aus China. Diese hatten sich zum Ziel gesetzt, den Gipfel am 13. Mai 2010, dem 50-sten Jubiläumstag, zu besteigen. Die Vorzeichen dazu standen aber denkbar ungünstig, und trotz den zuverlässigen Wetterdaten von Meteotest aus Bern ist die Gruppe bestehend aus 7 Chinesischen Bergsteigern und 7 Sherpas am 10. Mai 2010 zum Camp 1 aufgebrochen. Bei zunehmendem Wind hatte sich die Gruppe mit Hilfe von zusätzlichem Sauerstoff weiter über Camp 2 und Camp 3 dem Gipfel genähert. Am 13. Mai 2010 konnten sie dann in einem viel zu langsamen Tempo und unter schwierigsten Bedingungen erst während dem späten Nachmittag den Gipfel erreichen und mussten kurz unterhalb in einer Sturmnacht biwakieren. Dabei verloren 3 Chinesische Bergsteiger das Leben.
Da das Wetter weiterhin schlecht war, konnten wir keine Rettung angehen. Zu hoch wäre das Risiko gewesen dabei unser eigenes Leben zu gefährden.
Durch die Anwesenheit eines Schweizer Spitzenpiloten (Gerold Biner, Air Zermatt) und dem ausgewiesenen Zermatter Rettungsspezialisten Bruno Jelk in Nepal, konnten wir heute endlich, bedingt durch das gute Wetter, eine Helikopterrettung auf über 6000 Meter durchführen und die noch verbliebenen Sherpas und Bergsteiger in Sicherheit bringen.
Eine Rettung im Himalaya über Base Camp Höhe war bis jetzt praktisch nicht durchführbar. Dazu fehlten die fliegerischen Fähigkeiten und auch die entsprechend leistungsstarken Maschinen. Mit einem brandneuen Eurocopter B3 und dem versierten Piloten Gerold Biner fand diese Höchstleistung statt.

Ankunft des Rettungsheli im Base Camp

Bereit für den Einsatz die in Not geratenen Sherpas und Chinesischen Bergsteiger zu retten
Den Preis, welche die Chinesischen Bergsteiger für ihren Gipfelerfolg bezahlt haben ist jedoch viel zu hoch. Höhenbergsteigen untersteht einem relativ hohen Grundrisiko, missachtet man dabei jedoch auch noch die in diesen Höhen erbarmungslosen Wetterverhältnisse, wird das Besteigen eines Achttausenders zum "Russisch Roulette"!
Das Wetter wird sich in den nächsten Tagen stabilisieren und wir hoffen, dass wir um den 23. Mai 2010 eine Chance zur Besteigung dieses wunderschönen Berges bekommen.
Unserem Leitsatz bleiben wir treu: "Kein Berg ist es wert, die Fingerkuppe des kleinen Fingers zu verlieren!"
Aus dem Dhaulagiri Base Camp, 4650 m, grüsst
Richard Bolt, Expeditionsleiter und Bergführer UIAGM

Da hilft nur ein richtiges Schweizer Fondue die Stimmung wieder ins Lot zu bringen
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