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Elbrus Trekking, 15. - 29. Juli 2006

Teilnehmer: Ernst Ackermann, Ulrich Brügger, Roland Hauptmann, Peter Stauffer, Michael Stoklas, Roland Hasler (Bergführeraspirant), Sergey (russischer Guide)

Beim Elbrus Trekking handelt es sich um die erste durch Kobler & Partner organisierte Sommerreise ins kaukasische Gebiet. Dass dabei organisatorisch viele Knacknüsse zu lösen sind und einige Klippen umschifft werden müssen, gehört genau so dazu wie das Salz in die Suppe. Schliesslich hat jedoch - mit Ausnahme der Stadtbesichtigung von Moskau - alles geklappt und ich glaube, wir können auf ein erfolgreiches Trekking zurückschauen. Doch der Reihe nach.

Der erste Paukenschlag erfolgt noch in Zürich: Die Einladung seitens Moskau war falsch datiert und damit sind auch die Visa falsch ausgestellt worden. Anstatt am 15. Juli in Moskau einreisen zu können, mussten wir einen späteren Flug nehmen und treffen am 16. Juli morgens um 03.30 Uhr in Moskau ein. Die damit verbundenen Änderungen sind vielleicht im Kreml oder sonst wo untergegangen und so hält uns die Organisation des Weiterflugs nach Mineralny Vody (zu deutsch: Mineralwasser) weiterhin auf Trab. Dieser findet dann aber doch noch statt, wir treffen dort unseren Guide Sergey und geniessen am selben Abend die Nacht in einem zwar einfachen, doch europäischen, genauer westeuropäischen Standard entsprechenden Hotel in Pyatigorsk.

Auch der dritte Tag ist ein Reisetag. In einer etwa 4 stündigen Autofahrt - einzig unterbrochen durch ein sehr feines Essen in einem von aussen unscheinbaren Restaurant, rückseitig idyllisch an einem Fluss gelegen - gelangen wir nach Dombai. Dabei wechselt die Szenerie von urbaner zu immer ländlicherer Gegend - die Weiten und auch die Wildnis des Kaukasus sind erstmals zu erahnen. In Dombai geht es mit einem geländegängigen Fahrzeug russischer Bauart über einen vom Wasser zerfurchten Waldweg nach Alibek. Dies ist unser Basislager der folgenden 2 Tage. In einfachem Stil gehalten und doch mit einigem Komfort wie Dusche und WC im 2-er Zimmer und einer Köchin, die uns täglich verwöhnt, beginnt die Erkundung des Kaukasus und die Akklimatisationsphase, welche uns schliesslich ermöglichen soll, den Elbrus zu besteigen. Mit einer Höhe von ca. 1800 müM stellt Alibek zudem eine ideale Übernachtungsmöglichkeit für die ersten Akklimatisationstage dar.

Die von den drei Reisetagen etwas müden Glieder wollen nun wieder aktiviert werden. Auf dem Programm steht für den heutigen Tag die Wanderung zum Steinbocksee auf den Alibekpass (3100m) und wieder zurück ins Basislager. Doch leider hat es bereits in der Nacht stark zu regnen begonnen und auch am Morgen will es nicht so recht aufhören. Doch wir haben ja Regenkleider mitgenommen. Nach ca. 1,5 Stunden Aufstieg ist an einem reissenden Fluss jedoch Schluss. Die Überquerung wäre ein zu grosses Risiko gewesen und so kehren wir wieder nach Alibek zurück.

Mit dem Gross Semenov (3608m) haben wir heute ein hohes Ziel auf dem Tagesplan. Die Himmelsschleusen haben sich beruhigt, so richtig schön will es aber noch nicht werden. Und durch den Regen ist so ziemlich alles durchnässt. Zudem gibt es keinen Weg in schweizerischem Sinne. Dafür wandern wir steile Flanken durch teils hüft hohes Gras dem Gipfel entgegen: Ein einmaliges und nicht nur für Pflanzenliebhaber eindrückliches Erlebnis. Den Gipfel erreichen wir an diesem Tag zwar nicht ganz, auf einem Pass bei knapp 3200 Metern entschieden wir uns zur Umkehr. Die 1400 Höhenmetern und insgesamt 7 Stunden Marschzeit reichen jedoch vollkommen aus, um müde, glücklich und mit wunderschönen Erinnerungen ins Bett zu fallen.

Über Nacht hat sich das Wetter markant zu unseren Gunsten geändert, stahlblauer Himmel empfängt uns am Morgen. Genau richtig, um mit viel Optimismus unsere Zweitagestour zu beginnen. Während ca. 5,5 Stunden wandern wir diesmal auf adäquat "schweizerischen Hüttenwegen" bis auf ca. 2700 m ? doch an deren Ende steht keine Hütte! Der Aufstieg ist gespickt mit einigen kürzeren Kletterpassagen. Interessant und abwechslungsreich, doch mit einem voll bepackten Rucksack eine kleine Herausforderung: alpine Bergausrüstung, Zelt, Isomatte, Schlafsack, Kocher, Nahrung für 2 Tage und persönliche Kleinigkeiten, die das tägliche Leben versüssen. In einer wundervollen Umgebung richten wir unser Camp ein, füllen unsere Kohlenhydratspeicher sowie den Flüssigkeitsverlust wieder auf und geniessen einige Stunden Schlaf, bevor es um 03 Uhr weitergeht.

Auch der heutige Tag lacht uns mit abertausenden von Sternen entgegen. Über Gletscher, begleitet von einem herrlichen Sonnenaufgang mit wunderbaren Lichtverhältnissen wandern wir dem Gipfel entgegen: Sufruju - oder auch "Elbrus of Dombai" genannt. Nach 4,5 Stunden stehen wir auf dem Gipfel, ca. 3800 m. Belohnt mit einer fantastischen Aussicht über den Kaukasus. In etwa 30 km Entfernung thront majestätisch unser Hauptziel, der Elbrus. Mit dem Gipfelerfolg hat unser Tag jedoch erst angefangen. Auf uns wartet der Abstieg zu den Zelten, Abbau des Camps und Abstieg zurück in die Zivilisation nach Alibek.

Nach diesen 3 erlebnisreichen und auch anstrengenden Tagen folgt ein Erholungstag mit einem Transfer. In 4 Stunden fahren wir zuerst auf einer asphaltierten Strasse, dann auf einem immer öfters nach einem Geländewagen fordernden Weg - vorbei an Militärlagern mit entsprechenden Kontrollen- ins Bergsteigerlager Uznukol (2200 m). Dieses liegt fast am Ende des gleichnamigen Tales. "Sightseeing", schlafen, Gegend erkunden oder sogar Sportklettern steht auf dem Programm - ganz nach Lust und Laune.

Dieses wunderschöne Tal, welches sich nach ca. 10 Minuten Marschzeit in zwei Täler verzweigt, erkunden wir am heutigen 9 Tag. Am Morgen das eine Tal, am Nachmittag das Andere. Obwohl beide kaum einen Kilometer voneinander entfernt liegen, bieten sich uns zwei vollkommen verschiedene Szenerien: Ist das erste Tal offen und lieblich, so ist dasjenige vom Nachmittag links und rechts von steilen Flanken begrenzt. Erst ganz weit hinten öffnet sich auch dieses in einer eindrücklichen Sumpfebene.

Gut akklimatisiert heisst unser nächstes Ziel nun Elbrus. Wir befinden uns derzeit südwestlich vom Elbrus. Terskol, Ausgangspunkt der Elbrusbesteigung, befindet sich jedoch an der Südostseite, Luftlinie vielleicht 15 km entfernt. Doch dieser Luftlinienweg wäre nur zu Fuss in 2 Tagesmärschen über einen Pass zu erreichen. Mit dem ganzen Reisegepäck nicht die einfachste Lösung. So steht uns ein weiterer Transfer "rund um den Elbrus" an. Dafür brauchen wir den ganzen Tag, wobei Improvisieren à la Russia wieder mal angesagt ist. In Terskol angekommen erwartet und eine gemütliche Unterkunft und ein noch viel besseres Nachtessen.

Heute beginnt der Countdown für die Gipfelbesteigung. Mit der Gondel geht es hinauf bis zur Station Mir (3450 m). Gondel, nun ja, in der Schweiz hätte diese Bahn wohl keine Fahrbewilligung mehr. Hier jedoch ist es irgendwie "normal" und ich fühlte mich trotzdem nie unsicher. Mit einem nicht weniger speziellen Einersessellift geht es nochmals etwa 300 Hm hinauf bis zu den Barrelhut. Unser Highcamp liegt jedoch nochmals gut 300 Hm höher. Während das Gepäck mit dem Pistenfahrzeug (durchaus Schweizer Standard!) zur Hütte gefahren wird, beginnen wir gemächlich mit dem Aufstieg. Nach einer kurzen Verpflegung im Highcamp geht es dann nochmals weiter bis auf 4425 m (so nebenbei, halbe Höhe des Everest!), wo wir etwas verharren, die Aussicht geniessen und uns an die Höhe gewöhnen. Nach knapp einer Stunde geht?s zurück ins Highcamp auf ca. 4080 m, wo glücklicherweise alle eine recht gute Nacht verbringen.

Ein weiterer Tag zur Akklimatisation steht uns zur Verfügung. Nach einem ausgiebigen und gemütlichen Frühstück geht es heute in ca. 3,5 Stunden bis auf 5000 m hinauf. Wiederum warten wir etwas auf dieser Höhe und steigen dann wieder hinunter. Gut akklimatisiert steigt die Nervosität, ist doch morgen endlich der Gipfeltag.

Doch bereits in der Nacht pfeift der berüchtigte "Elbruswind" um unser Camp. Bei diesem stürmischem Wind, gepaart mit der Kälte, macht eine Besteigung nicht wirklich Sinn. Zudem wären die Erfolgsaussichten, den Gipfel zu erreichen, bestimmt sehr sehr klein. So kann nach einer kurzen Lagebeurteilung meinerseits um 2.30 Uhr die Gruppe liegen bleiben. Der Tag dient der Erholung und hat sicher Ähnlichkeit mit einem Tag in einem Basecamp im Himalaja. Ein Teilnehmer nutzte sogar die Gelegenheit um die verpasste Wintersaison in den Schweizer Alpen nachzuholen, mietet sich eine Skiausrüstung und zieht Schwünge in den kaukasischen Schnee. Mit Zuversicht erwarteten wir den morgigen Tag, welcher auch zugleich unsere letzte Chance auf den Gipfel sein würde.

Zwar ist der Wind immer noch aktiv, doch bedeutend schwächer als am Vortag. So stehen wir um 01.45 auf und machen uns eine Stunde später auf den Weg Richtung Gipfel. Das jedoch selbst der schwächere Wind noch saukalt war, merken wir sehr bald. Gesichtsmasken tun hilfreiche Dienste und so manche Zehen und Finger spüren die Kälte und müssen andauernd bewegt werden, um nicht zu kalt zu bekommen. Mit dem Sonnenaufgang wird es temperaturmässig zwar vorerst nicht merklich wärmer, im Herzen jedoch schon. Ein sagenhaft schöner Sonnenaufgang mit Lichtreflexionen in den schönsten Orangetönen erfreut unsere Seele. Dies ist auch dringend nötig, bläst uns der Wind fortan direkt von vorne ins Gesicht. Gut 2 Stunden später stehen zwei Teilnehmer, der russische Guide und ich auf dem Gipfel ? von den Strapazen etwas gezeichnet aber durchaus glücklich. Die Kälte und der Wind hat Spuren hinterlassen. So gab es während dem ganzen Aufstieg (gut 6 Stunden) keinen! windstillen Platz - Trinken und Essen wurde zu einer ziemlich unangenehmen Tätigkeit.

Leider hat sich ein Teilnehmer am Morgen entschieden, nicht mitzukommen, jemand musste wegen Durchfall nach bereits einer Stunde umkehren und ein dritter hatte kein Gefühl mehr in den Fingern und kehrte ebenfalls vorzeitig ins Camp zurück. Die Gesundheit geht jedoch absolut vor und der Gipfelerfolg ist weder ein gesundheitliches Problem noch einen abgefrorenen Finger oder sonst was wert. Dies haben mir auch die Teilnehmer bestätigt und ich hoffe richtig zu interpretieren, dass sie trotz nicht erreichtem Gipfelhauptziel, dem Elbrus, das Trekking und die Tage in Russland genossen haben. Nicht alles ist erzwingbar, vieles muss am Tag X stimmen, um Erfolg zu haben. Und das Quentchen Glück braucht es oft auch noch. So ist nicht alleinig der Gipfel das Ziel, sondern die Reise per se.
Bericht und Bilder: Roli Hasler


Gross Semenov



Gross Semenov



Uznukol



Uznukol



Uznukol



auf dem Gipfel des Elbrus of Dombai



Barrel-Hut



Aufstieg zum Elbrus



Aufstieg zum Elbrus



auf dem Gipfel des Elbrus